Haya – ein Mädchen in Saudi-Arabien

„Ich liebe die Wüste. Hier fühle ich mich frei!“, schwärmt Haya, „Was ich beim Laufen und beim Herumtollen auf den Dünen spüre, kann ich kaum beschreiben. Es ist ein aufregendes Kitzeln, ein bisschen wie Fliegen.“ Hayas Traum ist, eines Tages mit einem Wüsten-Buggy in der Weite der Wüste herumzukurven – in einem Land, in dem Frauen das Autofahren eigentlich verboten ist.

Haya lebt in Saudi Arabien, dem konservativen muslimischen Wüstenland. Schon junge Mädchen müssen sich hier an strenge Regeln halten. Mit elf Jahren darf Haya nur mit Jungen befreundet sein, die mit ihr verwandt sind. Sie muss fünfmal am Tag niederknien und beten. Und wenn sie das Haus verlässt, muss sie eine Abaya anziehen – ein schwarzes Gewand, das bis zum Boden reicht und den ganzen Körper bedeckt.

Ab nächstem Jahr wird Haya auch ein Kopftuch tragen und später, wenn sie 20 Jahre alt ist, sogar einen Gesichtsschleier. Zum Schutz vor den Blicken fremder Männer und aus Anstand, so schreibt das ihre Religion vor.  Immer wieder probt Haya mit ihrer Mutter vor dem Spiegel, wie man diesen schwarzen Schleier richtig bindet. „Durch den Schlitz vor den Augen kann ich zwar gut sehen, und der leichte Stoff lässt mich normal atmen“, sagt Haya, „doch eingesperrt fühle ich mich schon.“ Sie hofft, sich mit der Zeit daran zu gewöhnen, so wie auch ihre fünf älteren Schwestern und ihre über 30 Tanten und Cousinen sich schon an das Leben in einer schwarzen Hülle gewöhnen mussten.

Gleichzeitig lebt Haya wie jedes moderne Mädchen in einer Großstadt: Sie mag Musik-Videos und Hip-Hop, trägt coole Sneakers zu bunten, modischen Sporthosen und surft im Internet.  

Haya ist hin und hergerissen zwischen Tradition und Freiheitsdrang. Einerseits empfindet sie die Verschleierung, die ihr bevorsteht, als Schritt zum Frausein und freut sich darüber. Andererseits beneidet sie Mädchen aus anderen Ländern, die alles anziehen und sich stylen dürfen, wie sie möchten. Auch gegenüber den Jungen im eigenen Land, die ganz normal, in bunter, leichter Kleidung herumlaufen dürfen, empfindet Haya einen gewissen Neid. Sie dagegen muss sogar beim Schwimmen völlig bedeckt sein, darf nur in Begleitung eines Erwachsenen das Haus verlassen und wird später als Frau nur mit der Erlaubnis ihres Vaters oder Ehemanns studieren, arbeiten und ins Ausland reisen können.

Manchmal träumt sich Haya in eine freiere Welt und hat Wünsche, die für ein Mädchen in Saudi Arabien als sehrgewagt gelten – etwa das Buggy-Fahren in der Wüste. 

Der Film begleitet Haya und ihre Familie im Alltag: zu Hause und beim Einkauf auf dem Bazar der Altstadt, in die Wüste, zu einem Ausflug ans Rote Meer, bis hin zum überraschenden Finale in der nächtlichen Küstenstadt Jeddah.